Sportjournalismus verkommt zum Boulevard

„Hosianna“ und „Kreuzigt ihn“ liegen im Fußball sehr eng beieinander. Erst recht, wenn es um Personen geht, die von den Fans geliebt oder eher gehasst werden. Thomas Tuchel, Dortmunds Ex-Trainer, war so ein Liebling. Schließlich hat er mit der Mannschaft den Deutschen Pokal mal wieder nach Dortmund geholt und auch die direkte Qualifikation für die Champions League geschafft.

Dagegen steht eine Person wie Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke eher bei den Aktionären im Fokus, nicht aber bei den Fans. Genau dieser Hans-Joachim Watzke ist jetzt aber nicht nur Zielscheibe von Teilen der Fans, sondern auch der Presse.

Einige Journalisten versuchen sich in der Ächtung der Person Watzke. Und sie versuchen sich gegenseitig zu übertreffen, nachdem dieser den durchaus sportlich erfolgreichen Trainer vor die Tür gesetzt hat. Alle Schuld wird nun bei Watzke abgeladen, ohne zu reflektieren, was denn wirklich hinter diesem ganzen Theater steckt.

Die Fakten, die zur Entlassung des Ex-Mainzers geführt haben, sind den meisten Journalisten gar nicht bekannt. Das Wissen beschränkt sich auf einige wenige Details, mehr nicht. Trotzdem versuchen sich einige „Spitzenkönner“ darin, aus Kaffeesatzlesen ihre täglich abverlangten Storys zu generieren. Das sollte man nicht tun, denn es schadet dem Ansehen des Sportjournalismus. Das hat schon genug Schaden genommen, weil man den Sportjournalisten vorwerfen kann, in der Hauptsache Spekulations- und Sensationsjournalismus zu produzieren, wobei der Sport selbst insgesamt nur schlecht wegkommt. Sportjournalismus verkommt zum Boulevard! Schade, dass diese Entwicklung sich immer mehr durchgesetzt hat. Den wahren Sportfreunden geht das ganz schön an den Nerv.

Gibt es nichts mehr über gewonnene oder verlorene Spiele zu berichten, werden die kleinen Skandälchen hochgekocht, Ablösesummen in die Höhe getrieben und es wird spekuliert: geht er oder bleibt er? Kommt er oder kommt er nicht? Transfergerüchte – ganz schrecklich! Fährt er in Urlaub und wohin und mit wem? Und das liest und hört und sieht man jetzt wochenlang in den Gazetten, dem Hörfunk oder im TV. Tolle Aussichten! Da freut man sich doch schon wieder auf das erste Spiel der Saison 2017/18, oder?

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