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Bundesliga wird zum journalistischen Panoptikum

Die Zeit, in der der Fußball ruht, ist eine tolle Zeit. Fallen den Journalisten schon während der Saison die tollsten Storys ein, dann geht in der Sommerpause der Gaul mit ihnen durch. Wo man hinschaut und was man auch liest: Geschichten, Gerüchte, Gelaber.

Welch ein Druck muss auf den Redakteuren lasten, wenn man sich Tag für Tag Dinge einfallen lässt, die oft an der Wahrheit ein gutes Stück vorbeirauschen.

Nehmen wir einmal das Beispiel „Auba“ von Borussia Dortmund. Es vergeht kein Tag, an dem nicht der Name mit irgendeinem Verein in Europa und China in Verbindung gebracht wird. Es werden Ablösesummen zwischen 60 und 100 Millionen kolportiert und der Spieler selbst soll monatlich eine Million verdienen und auch noch ein bischen mehr.

Michael Zorc, der Sportdirektor des BVB, er dementiert diese Meldungen, denn wahr it bis dato, dass in dieser Personalie definitiv nichts passiert ist, was meldenswert geesen wäre.

In einem solchen Fall nämlich, hätte als erstes der BVB seine Aktionäre verständigen müssen. Und da es bisher keine ad hoc Meldung gegeben hat, liegt offenbar auch kein angebot vor. So läuft es bei „Auba“ und allen anderen BVB-Spielern auch.

Bei anderen Vereinen der Bundesliga muss zwar keine ad hoc Meldung herausgegeben werden, aber auch dort wird gebaggert bis zum Gehtnichtmehr. Wie wär es, auch im Sportjournalismus mal die Füße still zu halten und das zu vermelden, was tatsächlich Sache ist.

Wäre eine klare Linie: Spart den Vereinen viel Arbeit und vermeidet vor allem Irritationen bei den Supporters der Vereine.

Da ist es, um beim Beispiel BVB zu bleiben, doch viel besser, sichere Neuzugänge wie Zagadou, Philipp, Dahoud oder Toprak an die Leser zu bringen. Das ist schon reichlichDiskussionstoff für Büro und Kneipe.

Sportjournalismus verkommt zum Boulevard

„Hosianna“ und „Kreuzigt ihn“ liegen im Fußball sehr eng beieinander. Erst recht, wenn es um Personen geht, die von den Fans geliebt oder eher gehasst werden. Thomas Tuchel, Dortmunds Ex-Trainer, war so ein Liebling. Schließlich hat er mit der Mannschaft den Deutschen Pokal mal wieder nach Dortmund geholt und auch die direkte Qualifikation für die Champions League geschafft.

Dagegen steht eine Person wie Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke eher bei den Aktionären im Fokus, nicht aber bei den Fans. Genau dieser Hans-Joachim Watzke ist jetzt aber nicht nur Zielscheibe von Teilen der Fans, sondern auch der Presse.

Einige Journalisten versuchen sich in der Ächtung der Person Watzke. Und sie versuchen sich gegenseitig zu übertreffen, nachdem dieser den durchaus sportlich erfolgreichen Trainer vor die Tür gesetzt hat. Alle Schuld wird nun bei Watzke abgeladen, ohne zu reflektieren, was denn wirklich hinter diesem ganzen Theater steckt.

Die Fakten, die zur Entlassung des Ex-Mainzers geführt haben, sind den meisten Journalisten gar nicht bekannt. Das Wissen beschränkt sich auf einige wenige Details, mehr nicht. Trotzdem versuchen sich einige „Spitzenkönner“ darin, aus Kaffeesatzlesen ihre täglich abverlangten Storys zu generieren. Das sollte man nicht tun, denn es schadet dem Ansehen des Sportjournalismus. Das hat schon genug Schaden genommen, weil man den Sportjournalisten vorwerfen kann, in der Hauptsache Spekulations- und Sensationsjournalismus zu produzieren, wobei der Sport selbst insgesamt nur schlecht wegkommt. Sportjournalismus verkommt zum Boulevard! Schade, dass diese Entwicklung sich immer mehr durchgesetzt hat. Den wahren Sportfreunden geht das ganz schön an den Nerv.

Gibt es nichts mehr über gewonnene oder verlorene Spiele zu berichten, werden die kleinen Skandälchen hochgekocht, Ablösesummen in die Höhe getrieben und es wird spekuliert: geht er oder bleibt er? Kommt er oder kommt er nicht? Transfergerüchte – ganz schrecklich! Fährt er in Urlaub und wohin und mit wem? Und das liest und hört und sieht man jetzt wochenlang in den Gazetten, dem Hörfunk oder im TV. Tolle Aussichten! Da freut man sich doch schon wieder auf das erste Spiel der Saison 2017/18, oder?